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WM

Marokko übersteht die Hitze, den Schmerz und die Elfmeter: Die Niederlande scheitern in einem dramatischen WM-Thriller.

Von Fussball4All Editorial ·
Es war ein Spiel, das alles in sich trug, was K.-o.-Fußball so gnadenlos macht: die glühende Hitze in Mexiko, die aufgeladenen Ränge, das Pfeifkonzert bei jedem niederländischen Ballkontakt, der marokkanische Sturm in der zweiten Halbzeit, das emotionale Tor von Cody Gakpo, der späte Kopfball von Issa Diop und schließlich die kühle Hand von Yassine Bounou. Oranje stand kurz vor dem Achtelfinale gegen Kanada, doch das Ticket entglitt in der Schlussphase der regulären Spielzeit und später im Elfmeterschießen. Von Anpfiff an war klar, dass Schönheit hier keine Rolle spielen würde. Die Niederlande versuchten, den Ball zu halten, doch Marokko schloss die Räume schnell. Die ersten Minuten fühlten sich an wie ein Schachtelspiel mit Schlamm an den Schuhen: viele Zweikämpfe, wenig flüssige Kombinationen und ständig das Gefühl, dass jeder Fehler sofort schwer bestraft würde. Die Hitze tat ihr Übriges. Das Tempo kam nur schwer in Gang, kleine Reibereien brachen den Rhythmus, und schon früh gab es Ärger, als Jan Paul van Hecke in einem Luftduell von Ismael Saibari getroffen wurde. Das Spiel war kaum begonnen, doch der Ton war gesetzt: Dies würde kein freundliches Aufeinandertreffen, sondern ein Kampf ums Überleben. Nach einer zögerlichen Startphase übernahm Marokko zunehmend die Initiative. Mohamed Ouahbis Team fand vor allem über die Flügel gefährliche Momente und hatte nach gut zwanzig Minuten die erste große Chance. Bart Verbruggen musste zunächst einen Kopfball von Neil El Aynaoui an der ersten Pfosten klären und stand kurz darauf erneut vor einem harten Schuss von Achraf Hakimi. Die Niederlande wankten, brachen aber nicht ein. Oranje hatte Mühe, dem Druck standzuhalten. Lange Bälle auf Brian Brobbey und Crysencio Summerville brachten zu wenig, auch wenn Summerville einmal gefährlich hinter die marokkanische Abwehr kam – sein Angriff wurde wegen Abseits abgepfiffen. Es passte zu einer ersten Halbzeit, in der die Niederlande zwar Momente suchten, aber selten wirklich Kontrolle fanden. Doch auch Oranje kam vor der Pause gefährlich nah an ein Tor. Micky van de Ven schoss aus der Distanz, doch Bounou parierte elegant. Auf der anderen Seite blieb Marokko in der Umschaltung gefährlicher. Saibari hatte kurz vor dem Halbzeitpfiff die größte Chance der ersten Hälfte, traf aber bei einer scharfen Hereingabe nicht zum richtigen Zeitpunkt. So blieb es 0:0 – ein Halbzeitergebnis, das logisch war, für die Niederlande aber vor allem eine Erleichterung bedeutete. Nach der Pause wurde das Spiel noch deutlicher marokkanisch. Die Niederlande wurden zurückgedrängt und kamen kaum noch an den Ball. Zu einem Zeitpunkt sank der niederländische Ballbesitz in der zweiten Halbzeit auf magere sechzehn Prozent. Marokko drängte, drohte und roch, dass Oranje unsicher wurde. Hakimi traf die Latte, ein Tor wurde später wegen Abseits zurückgenommen. Kurz darauf musste Van de Ven mit einer perfekten Tackling-Aktion eingreifen, als Hakimi Richtung Verbruggen zu entkommen schien. Eine solche defensive Aktion, die an der Grenze des Erlaubten balancierte: Ein winziger Moment zu spät, und die Niederlande hätten den Weg zum Elfmeter gehen müssen. Doch Van de Ven traf den Ball, sauber und entscheidend. Ronald Koeman griff nach gut siebzig Minuten ein. Teun Koopmeiners und Wout Weghorst kamen für Nathan Aké und Brobbey. Der Wechsel schien fast sofort Wirkung zu zeigen. In der 72. Minute brach Gakpo das Spiel auf. Summerville hielt einen Angriff am Boden lebendig, der Ball fiel vor Gakpos Füße, und dieser zögerte nicht. Mit einer kontrollierten Aktion bezwang er Bounou: 1:0 für die Niederlande. Der Moment war größer als Fußball allein. Gakpo hatte nur wenige Tage zuvor den Verlust seines Sohnes in der Schwangerschaft seiner Partnerin verkraften müssen. Als seine Teamkollegen ihn umarmten, fühlte sich das Tor wie ein seltenes Moment an, in dem Trauer, Stärke und sportliche Befreiung zusammenfanden. Es schien, als würde Oranje auf dieser Welle der Emotionen ins nächste Runde getragen. Doch Marokko gab nicht auf. Die Löwen des Atlas blieben kommen, selbst als die Zeit davonlief. Ouahbi brachte frische Kräfte, darunter Chemsdine Talbi und Soufiane Rahimi, und Marokko suchte weiter nach der einen Lücke. Die Niederlande verteidigten mit allem, was sie hatten, doch der Druck wurde immer größer. In der 91. Minute fiel schließlich der Ausgleich. Talbi lieferte eine glänzende Hereingabe, Issa Diop gewann den Kopfball und köpfte hart ein. Verbruggen war chancenlos. Die marokkanische Bank explodierte, die Ränge brüllten, und die Niederlande standen plötzlich mit leeren Blicken da, nachdem eine Führung zum Greifen nah gewesen war. In der Verlängerung wurde das Spiel vor allem zu einem Zermürbungskrieg. Die Niederlande starteten noch mit guten Absichten und setzten kurzzeitig höher Druck, doch mit jeder Minute übernahm Marokko wieder die Initiative. In der Nachspielzeit lag der Ballbesitz bei eighty-five Prozent für Marokko. Oranje zog sich zurück, sparte Kräfte und schien immer deutlicher auf das Elfmeterschießen zuzusteuern. Doch Marokko hätte die Partie schon vor der Entscheidung im Elfmeterschießen für sich entscheiden können. Rahimi hatte in der ersten Verlängerung eine riesige Chance direkt vor Verbruggen, doch der niederländische Torhüter parierte mit einer Weltklasse-aktion. Es war einer dieser Momente, in denen die Niederlande noch einmal dachten: Vielleicht ist dies unser Abend. Vielleicht steht Verbruggen als Held da. Doch Elfmeter sind ein anderes Spiel. Ein Spiel von Atem, Erinnerungen und Nerven. Und für die Niederlande war es historisch oft ein Spiel voller Narben. Koopmeiners eröffnete perfekt und brachte die Niederlande mit 1:0 in Führung. El Aynaoui knallte den ersten marokkanischen Elfmeter an die Latte. Oranje hatte sofort den Vorteil, doch gab ihn direkt wieder ab, als Justin Kluivert den Pfosten traf. Rahimi glich für Marokko aus, auch wenn Verbruggen noch nah dran war. Weghorst traf anschließend wunderschön in die obere Ecke: 2:1. Talbi antwortete kalt: 2:2. Dann brach die Spannung über die Niederlande herein. Quinten Timber verschoss hoch neben das Tor. Hakimi bekam die Chance, Marokko in Führung zu bringen, doch auch er scheiterte und traf nur die Latte. Oranje lebte noch, aber nicht mehr lange. Summerville musste den fünften niederländischen Elfmeter schießen, blickte Bounou in die Augen und hämmerte den Ball hart und zentral. Bounou blieb stehen und wehrte den Ball mit einer harten Handbewegung ab. Nun lag die Entscheidung bei Ismael Saibari. Der Mann, der zuvor Chancen vergeben hatte, der in der Schlussphase der Verlängerung noch mit blutigem Trikot vom Platz musste, bekam die Chance, alles geradezubiegen. Für sich selbst. Für Marokko. Für eine Mannschaft, die nie aufgehört hatte zu glauben. Er scheiterte nicht. Marokko gewann das Elfmeterschießen und schickte die Niederlande nach Hause. Ein Spiel, das für Oranje nach Gakpos Tor auf dem Weg zum Triumph zu sein schien, endete erneut in der rohen Enttäuschung des Elfmeterschießens. Für Marokko wurde es ein Abend von Charakter, Glauben und mentaler Stärke. Nicht perfekt, aber unnachgiebig. Nicht immer fair, aber groß in der Hingabe. Die Niederlande verlassen die WM mit einer Mischung aus Stolz und Schmerz. Sie kämpften mutig, hatten mit Verbruggen einen Glanzpunkt und fanden in Gakpo einen emotionalen Torschützen. Doch sie verloren zu oft die Kontrolle, standen zu oft unter Druck und verpassten schließlich die nötige Kühle in dem Moment, in dem nur Kühle noch zählte. Marokko geht weiter. Nach Kanada. In eine neue Runde. In ein neues Kapitel einer WM-Geschichte, die immer mehr zu einer Erzählung von Glauben gegen die Logik wird. In Monterrey blieb Oranje mit Stille zurück. Marokko mit Tränen der Freude. Und die WM mit einem Spiel, das noch lange nachhallen wird.

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