WM
Oranjes emotionaler Treffer zunichte gemacht – Marokko und Niederlande im Elfmeterschießen
Das erste echte K.-o.-Duell der WM-Achtelfinale bestreiten die Niederlande gegen Marokko, nachdem beide Teams nach einem dramatischen späten Ausgleich nun ausgeglichen sind. Cody Gakpos Treffer in der 71. Minute, der nach einer Flanke von Summerville ins Netz ging, brachte die Oranje in Führung – doch Marokko egalisierte in der Nachspielzeit. Der niederländische Flügelspieler sank nach dem Tor auf die Knie und blickte zum Himmel, eine Geste, die seine Trauer um den Verlust seines Säuglings während einer risikoreichen Schwangerschaft zum Ausdruck brachte.
Marokko hatte die zweite Halbzeit dominiert, und ein 0:1 hing vor der Pause in der Luft. Die Atlaslöwen kontrollierten Ballbesitz und Raum, während die Niederlande kaum gefährliche Angriffe zustande brachten. Ronald Koemans Team wirkte unkoordiniert, konnte keine Pässe kombinieren oder klare Torchancen herausspielen.
Der Wendepunkt kam in der 71. Minute, als Jeremie Frimpong einen diagonalen Pass zu Xavi Simons spielte, dessen Flanke Gakpo erreichte. Der PSV-Stürmer kontrollierte den Ball mit einer halben Drehung und schoss aus knapp außerhalb des Strafraums an Yassine Bounou vorbei. Das Tor löste wilde Feiern aus, Gakpo kniete sofort nieder und zeigte mit einer Geste zum Himmel, die seine Teamkollegen und das Betreuerteam spontan zu ihm eilen ließ.
Marokkos Ausgleich fiel in der 90. Minute. Bei einer Standardsituation spielte Ayoub El Kaabi den Ball weiter, und Nayef Aguerds Kopfball landete bei eingewechselten Aymen Talbi, der ungestört zum 1:1 köpfen konnte. Der Ex-Club-Brugge-Verteidiger glich aus und schickte das Spiel in die Verlängerung.
Verbruggen hatte bereits zuvor eine wichtige Parade für die Niederlande vollbracht, als er in der 58. Minute einen kräftigen Kopfball von Ayoub El Kaabi über die Latte lenkte. Die Reflexe des Anderlechter Torhüters hielten die Oranje in der Partie, während Marokko das Spiel dominierte.
Die erste Halbzeit der Verlängerung begann mit beiden Teams, die Anzeichen von Erschöpfung zeigten. Marokko preschte hoch, hatte aber nicht mehr die Schärfe wie zuvor, während die Niederlande Mühe hatten, nach der emotionalen Achterbahn von Gakpos Tor und Marokkos schnellem Ausgleich ihre Fassung wiederzufinden.
Koemans zwei taktische Wechsel zur Halbzeit – die Einwechslungen von Wout Weghorst und Xavi Simons – belebten Oranjes Angriff neu. Die Veränderungen trugen fast sofort Früchte, als Weghorst einen Kopfball gewann, der zu einer Flanke von Summerville und schließlich Gakpos Tor führte.
Als der Schlusspfiff näher rückte, war die Spannung im Stadion greifbar. Beide Teams hatten in den letzten Momenten Chancen, doch keine konnte den Durchbruch erzielen. Der Schiedsrichter entschied auf Verlängerung, und damit stand fest: Das erste K.-o.-Spiel des Turniers würde im Elfmeterschießen entschieden werden.
Das emotionale Gewicht des Abends reichte weit über das Spielfeld hinaus. Cody Gakpos privater Schmerz, der wenige Tage zuvor öffentlich wurde, überschattete die Freude über sein Tor. Lies Vandenberghe schrieb, dass der Kummer des Spielers die zuvor um Jeremy Doku entstandene Kontroverse in ein neues Licht rückte und den Abend zu einer Nacht mit tiefen menschlichen Dimensionen machte.